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Finnen von Sinnen
Finnen von Sinnen
Von einem, der auszog, eine finnische Frau zu heiraten

von Wolfram Eilenberger
249 Seiten; 200 mm x 125 mm
2010 Blanvalet
ISBN 978-3-7645-0357-4

17.50 EUR (inkl. USt.) 
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Hauptbeschreibung
Yksi, kaksi, kolme ... - Finnland für Anfänger und Liebhaber!
Ihre Sprache kennt fünfzehn Fälle und kein Geschlecht, dafür unterscheidet sie sieben Arten von Schneeregen. Die Finnen sprechen wenig und nur nach langen Denkpausen. Sie sagen niemals »Ich liebe dich«, zeugen aber die intelligentesten Kinder der Welt. Eine finnische Küche gibt es nicht, dafür jede Menge Wodka und traurigen Tango. Sie haben nur fünf Tage Sommer im Jahr, trotzdem besitzt jede finnische Familie mindestens ein Mökki (Sommerhäuschen) am See. Willkommen in Suomi, dem Land der eiskalten Widersprüche!
Für alle, die Jan Weiler mögen, aber ihren Urlaub lieber im Norden verbringen.

Langtext
Sie leben im hohen Norden. Sie gehen ständig in die Sauna. Haben Millionen Handys und leben mit Milliarden von Mücken. Die Finnen sind ein eigenwilliges und lustiges Völkchen. Wolfram Eilenberger liebt sie. Ganz besonders eine. Deswegen zieht er mit ihr für ein halbes Jahr nach Finnland, um Land, Leute und insbesondere ihre Familie zu erkunden. Das ist 13 Jahre her ... Mittlerweile hat er festgestellt: Sie sind wunderbar, aber irgendwie spinnen sie auch, die Finnen.
Ihre Sprache kennt sechzehn Fälle und kein Geschlecht, dafür unterscheidet sie sieben Arten von Schneeregen. Die Finnen sprechen wenig und nur nach langen Denkpausen. Sie sagen niemals »Ich liebe dich«, zeugen aber die intelligentesten Kinder der Welt. Eine finnische Küche gibt es nicht, dafür jede Menge Wodka und traurigen Tango. Sie haben nur fünf Tage Sommer im Jahr, trotzdem besitzt jede finnische Familie mindestens ein Mökki (Sommerhäuschen) am See. Willkommen in Suomi, dem Land der eiskalten Widersprüche!
Für alle, die Jan Weiler mögen, aber ihren Urlaub lieber im Norden verbringen.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern
Wolfram Eilenberger ist promovierter Philosoph, Autor mehrerer Bücher und Chefredakteur des Philosophie Magazins. Er ist mit einer Finnin verheiratet, Vater von finnisch-deutschen Zwillingen und hat in Finnland nicht nur studiert, sondern auch in der zweiten Fußballliga gespielt. Er lebt mit seiner Familie in Toronto, Berlin und Koivumäki/Finnland. Derzeit schreibt er an seinem neuen Buch.

Besprechung
"Wolfram Eilenbergers Auswanderergeschichte Finnen von Sinnen macht Lust aufs Land." (Buchmarkt)

Textauszug
Wie schön sie war. Und so groß. Mit ihrem langen rötlichen Haar, das tief über zarte Schultern fiel - der Leib von einer edlen Blässe, die aufs Feinste mit dem vollen Rosa ihrer Brüste harmonierte. Sie stand vor mir, nicht einmal schüchtern, nur ein wenig überrascht, lächelte mich an, fuhr mir durchs Haar und bat mich sanft und liebevoll, ihr doch zu verraten, wo ich das Handtuch versteckt hätte.
Es hat seinen guten Grund, diese Geschichte mit meiner Tante Vera zu beginnen. Sie ist die erste Frau, die ich nackt sah. Vor allem aber war es Tante Vera, mit der Finnland in mein Leben trat. Denn bereits kurze Zeit, nachdem sie als zugezogene Studentin der Sozialpädagogik zum ersten Mal in unserem Dachgeschoss geduscht hatte, verlor sie ihr Herz an einen in Scheidung lebenden Oberstudienrat, mit dem sie fortan jeden Sommerurlaub nach Finnland fahren sollte. Elmar, so hieß der Erwählte, trug einen weißen Rauschebart, war promovierter Chemiker und engagierte sich in der Umweltbewegung - war in den Augen meiner Mutter also ein »echter Spinner«.

Diese erste und, wie ich vermuten muss, entscheidende Finnland-Prägung ist natürlich alles andere als Zufall. Was das Deutschland der späten Siebzigerjahre von Finnland wusste, wusste es von Elmar und den seinen. Freiwillig für vier Wochen Dauerregen in einem Haus ohne Strom und fließend Wasser auszuharren und dafür auch noch das Vierfache eines luxuriösen Mittelmeerurlaubes zu zahlen, das konnten und wollten sich damals nur verbeamtete Überzeugungstäter leisten - Menschen, denen es ernst war mit der ökologisch-sozialistischen Alternative.
So saßen Elmar und Vera also eines Abends im August wieder einmal unter unserer Reihenhausmarkise und schwärmten sichtbar ausgeruht von Elchen, Wieseln und Kreuzottern, von Heidelbeerfeldern und Saunagängen, von Pfifferlingen und Plumpsklos, vor allem aber von dieser sagenhaften Stille, die, ja, die meiner Tante Vera zufolge »einfach nicht zu beschreiben ist«.
Schüchterne Einwände, all dies lasse sich - von Elchen und Saunagängen einmal abgesehen - doch auch im nahen Schwarzwald erleben, wurden mit Geschichten über das sagenhafte Rovaniemi gekontert, das die beiden nun endlich zur Mitternachtssonne besucht hatten. Es war seinerzeit von den deutschen Truppen schändlich dem Erdboden gleichgemacht worden, was meinen Vater - bereits betrunken genug, um ganz er selbst sein zu können - entgegnen ließ, ihm scheine es doch wesentlich plausibler anzunehmen, die Lappen hätten die paar Hütten im Suff versehentlich selbst abgefackelt.
Ich erinnere mich an diesen Abend deswegen so genau, weil nun ein ernster Streit ausbrach, in dessen hitzigem Verlauf Elmar den Schwur ablegte, nie wieder einen Fuß in unser Haus zu setzen.
Das war natürlich Unsinn. Elmar hält sich nicht an Schwüre. Elmar kommt immer wieder. Er ist sogar zu unserem Fest gekommen, obwohl weder meine finnische Frau noch ich ihn namentlich eingeladen hatten. Aber was soll's? Er gehört nun einmal zur Familie.


Das mit dem Streit ist übrigens die absolute Ausnahme. Im Gegenteil, ob auf Partys, Familienfesten, Vernissagen, Fortbildungsseminaren oder im Zugabteil, das Thema Finnland, glauben Sie es mir, ist der perfekte Gesprächseinstieg, ist der Friedensstifter par excellence, spielt diskurstheoretisch in einer einsamen Liga mit den Beatles und dem Dalai Lama. Politisch neutral, ökologisch nachhaltig, technologisch führend, pädagogisch vorbildlich, sprachlich kurios, emanzipatorisch wegweisend ... Eine öffentlich geäußerte Antipathie gegen das Volk der Finnen - in der europäischen Vorstellungswelt des frühen 21. Jahrhunderts ist das gleichbedeutend mit dem Hass auf die Menschheit als solche.
Ein erster interessierter Smalltalk leitet Sie gewöhnlich von den tausend Seen über die finnougrische Sprachfamilie zu den verkannten Vorzügen des Rentiergulaschs. Das ermöglicht dem Connaisseur sogleich Detailabzweigungen zu den fünfzehn Fällen des Finnischen oder aber den einzigartigen Muttergesteinskonstellationen Mittelfinnlands.
Flüssiger läuft es natürlich mit Erwägungen zu den Wandervarianten des sogenannten »Bärenwegs« - unterlassen Sie es nicht, die Mücken zu erwähnen, und halten Sie in jedem Fall eine eindrückliche Angelgeschichte bereit, etwas in Richtung »Mein Kampf mit der Regenbogenforelle«.
Eine erste, potenziell peinliche Pause kann wirkungsvoll mit dem Verweis auf die Schweigsamkeit der Finnen überbrückt werden oder aber mit der Frage: Was macht eigentlich Matti Nykänen? Über das Thema Alkohol (selbst Jelzin trank immer nur Finlandia-Wodka!) landen Sie dann zwangsläufig bei überschwänglichen Hymnen zum neuesten Kaurismäki-Film, wobei unklar bleiben darf, ob er nun von Mika oder Aki gedreht wurde.
Lieben Sie es gesellschaftspolitisch, ist spätestens jetzt der Zeitpunkt, in einem Nebensatz die PISA-Studie zu erwähnen und, sofern es opportun erscheint, das nordische Gesamtschulkonzept direkt auf den Besuch einer finnischen Forschungsgruppe bei der damaligen Bildungsministerin der DDR zurückzuführen - also Margot Honecker.
Sie können es sich aber auch einfacher machen und nun direkt ins Themenfeld Technik und Innovation wechseln. Ja, es ist wahr, NOKIA hat seinerzeit tatsächlich mit Gummistiefeln und Kondomen angefangen, und ja, recht betrachtet ist Linux besser als Windows, womit der Übergang zur Hochkultur vollzogen wäre. Gerne mit dem Kalevala-Epos, das J.R.R. Tolkien bekanntlich als Vorbild für sein Epos Der Herr der Ringe diente. Oder aber Sie finden lobende Worte für die zeitlos schönen Nierenväschen Alvar Aaltos (langes a!).
Am besten allerdings verlegen Sie sich auf Sibelius' frühe Symphonien sowie die betörenden Wagner-Arien Karita Mattilas (ich habe sie vergangenen Sommer in Savonlinna gehört - sagenhaft, wirklich!). Und dann gibt es da natürlich noch dieses neue, zeitgenössische Kompositionsgenie. Wie war doch gleich sein Name? Arno, Arvo ... Arvo Pärt. Und der gute Mann ist Este. Sagen Sie es ruhig. Das nimmt Ihnen niemand übel. In Sachen Finnland lernt jeder gerne dazu.
Es geht selbstverständlich auch ganz ohne Kultur und Landeskunde. Dass olut Bier heißt, wissen meiner Erfahrung nach 90% der Deutschen, und eine ähnlich hohe Anzahl vermag erstaunlicherweise auch ein spontanes yksi, kaksi, kolme von sich zu geben (wissen Sie, was eins, zwei, drei auf Türkisch heißt?). Selbst mit den verbleibenden 10% der RTL-II-Fraktion sind Sie sofort im Thema, meist geht es dabei dann um exzessive Urlaubserlebnisse im mallorquinischen Morgengrauen. Verdammt, wie hieß die jetzt noch mal?
Zugegeben, das mit den Namen bleibt ein Problem. Eines aber steht unzweifelhaft fest: Finnland tut uns gut! Dem Körper wie der Seele. Und daran wird kein Amoklauf je etwas ändern.


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Fachbuch




















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