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Der Heiler der Pferde
 | Der Heiler der Pferde Roman
von Gonzalo Giner Übersetzt von Eva M. del Carmen Kobetz Revuelta 670 Seiten; m. Abb.; 227 mm x 150 mm 2010 Blanvalet ISBN 978-3-7645-0354-3
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|  | Langtext Kastilien 1195. Machtlos muss der 14-jährige Diego von Malagón zusehen, wie die arabischen Almohaden seine Familie brutal überfallen. Mit letzter Kraft gelingt ihm auf Sabba, seiner Araberstute, die Flucht nach Toledo. Dort erregt seine Gabe, mit Pferden zu sprechen, die Aufmerksamkeit des muslimischen Pferdeheilers Galib. Er nimmt Diego als Lehrling an, führt ihn in die Grundkenntnisse des Heilens, das medizinische Wissen und die arabische Sprache ein. Erneut muss Diego fliehen, diesmal einer Frau wegen. Seine Abenteuer führen ihn mitten in die politischen Konflikte der spanischen Reiche und zwingen ihn immer wieder zu Flucht und Neuanfang. Seinen Traum vergisst er jedoch nie: Mit dem Glück des Mutigen kämpft er um seine Berufung und die Erfüllung seiner großen Liebe.
Biografische Anmerkung zu den Verfassern Gonzalo Giner, 1962 in Madrid geboren, schrieb 2004 seinen ersten Roman, der in sechs Sprachen übersetzt wurde. Der Heiler der Pferde ist sein dritter Roman - und sein persönlichster, denn Gonzalo Giner studierte Veterinärmedizin und ist praktizierender Tierarzt. Er erzählt von der hohen Kunst der Tierheiler im Mittelalter, eingebettet in die prächtige historische Kulisse Spaniens im 12. und 13. Jahrhundert.
Besprechung "Einer der originellsten Romane des Jahres Gonzalo Giner ist der spanische Noah Gordon!" Latin News
Textauszug Im Jahre 1195 schlugen die Truppen des Almohadenkalifen Yusuf Ben Yaqub bei Alarcos die Armee von König Alfons VIII. Erst im letzten Augenblick konnte sich der kastilische Monarch ins nahe Toledo retten. Seither fühlt er sich tief gedemütigt.
Die »Imesebelen« oder »Gefesselten« waren von Geburt an zum Töten bestimmt. Sie stammten aus Schwarzafrika. Schon im Knabenalter wurden sie zu Leibwächtern der Kalifen von Al-Andalus ausgebildet - eine »Schwarze Garde« wilder mordlüsterner Krieger. Für sie gab es keine größere Ehre, als ihr Leben dem Almohadenherrscher zu opfern.
An jenem Tag bebte die Erde in Alarcos unter den Hufen ihrer dahinjagenden Pferde. Wie Besessene fegten die mehr als tausend Krieger übers Land. Ihre Mission war es, den christlichen Feind auszumerzen.
In den Köpfen der Männer hallte noch der Befehl ihres Anführers nach - eines seltsamen Mannes von adeligem Geblüt und eines Verräters: Einst hatte er dem kastilischen Herrscher treu gedient. Nun bekämpfte er erbittert seinen König.
»Metzelt sie alle nieder! Zündet ihre Felder an und plündert ihre Habe. Nehmt euch die Frauen und zerstört die Häuser. Aber vergesst nicht: Es darf niemand am Leben bleiben. Ich will keine Zeugen.«
»Und wenn wir diesen Krieg nicht gewinnen, Vater? Wir wohnen viel zu nah an der Grenze zu Al-Andalus. Wenn sie uns angreifen ...« Voller Furcht stürzte der junge Diego ans Bett seines Vaters.
»Es wird nicht so weit kommen, mein Sohn. Die Ritter vom Calatrava-Orden werden uns beschützen. Vergiss nicht, wir sind ihre Vasallen.«
»Und wenn nicht? Was machen wir dann, Vater?«
Schweigend betrachtete Don Marcelo seinen Sohn. Ihm war ebenso bang. Aber er wollte den Jungen nicht noch mehr beunruhigen. Die Lage war denkbar ungünstig. Deshalb hoffte der Alte inbrünstig auf die Hilfe des Ritterordens. Er selbst konnte die Seinen nicht beschützen, und Diego war erst vierzehn. Fast noch ein Kind. Wie sollte der Junge den Gasthof und die Familie verteidigen?
Don Marcelo ahnte das Anrücken der »Schwarzen Garde«. Im Gasthof erzählte man sich schreckliche Dinge über die grausamen Krieger aus Afrika. Die bloße Vorstellung ließ den alten Mann erschauern, doch er bezwang die Furcht. Sein Sohn brauchte jetzt die moralische Unterstützung des Vaters, um Mut und Zuversicht zu fassen. »Komm näher.«
Don Marcelo nahm Diegos Hände zwischen die seinen. Er konnte die angstvolle Anspannung des Jungen fühlen.
»Ich glaube ganz fest an dich, mein Sohn. Was auch immer geschehen mag, du wirst sicher das Richtige tun. Mach dir keine Sorgen. Es wird alles wieder gut. Du schaffst es bestimmt. Du bist klug, zielstrebig und ein treuer Sohn. Aber höre mir jetzt gut zu. Ich muss dich um etwas sehr Wichtiges bitten ...« Er holte tief Luft und fuhr feierlich fort: »Schwöre, dass du tust, worum ich dich bitte, auch wenn du es nicht verstehst. Schwörst du es?«
»Sprecht, Vater«, erwiderte Diego, den Ernst der Stunde erfassend. Er war ganz Ohr. Mühsam legte der alte Mann die Hand auf die Brust. »Wir werden bestimmt alles gut überstehen, aber es könnte auch anders kommen: Möglicherweise reißt der muslimische Überfall die Familie auseinander, vielleicht bin ich danach nicht mehr an deiner Seite. Dann wäre unser bescheidenes Gasthaus deins. Auch unser Vertrag mit dem Orden der Calatrava-Ritter ginge in diesem Fall auf dich über. Aber genau das möchte ich nicht ...« Diego stutzte.
»Ich möchte nicht, dass du als Vasall endest wie ich. Auf gar keinen Fall, hörst du. Zieh mit deinen Schwestern fort. Hier in die Nähe, meinetwegen nach Toledo. Aber trete nicht in meine Fußstapfen. Du sollst es besser haben als ich, es zu etwas bringen. Greif nach den Sternen und dir werden Flügel wachsen. Suche dir eine Stelle bei einem Gelehrten. Sei ehrgeizig, aber rücksichtsvoll und gewissenhaft. Lass dir in der Arbeit nie etwas nachsagen. Wenn du gegen andere antreten musst, versuche als Sieger hervorzugehen. Schäme dich nicht deiner einfachen Herkunft. Deswegen musst du nicht buckeln und dich unterwerfen. Kämpfe hart für deine Träume und du wirst alles erreichen, was du willst. Schließlich bitte ich dich, für deine Schwestern zu sorgen. Und vergiss eins nicht, mein Sohn: Ich liebe dich über alles. Irgendwann werde ich voller Stolz vom Himmel auf dich herabblicken.«
»Ich will nie von Eurer Seite weichen, Vater«, erwiderte Diego. »Der Gasthof und der Stall müssen nur ein wenig auf Vordermann gebracht werden ...«
Don Marcelo legte ihm die Hand auf den Mund.
»Schwöre, dass du meinem Wunsch folgen wirst!«
Als der Junge dem Vater in die Augen sah, beugte er sich seinem Willen.
»Ihr habt mein Wort, Vater.«
»So ist es recht.« Er strich Diego über die Wange. »Und jetzt geh wieder in den Stall. Die Arbeit wartet.« »Vater, wann muss ich fort?«
»Du wirst es selbst merken, wenn die Zeit gekommen ist, mein Sohn. Präge dir meine Worte gut ein. Sie zu erfüllen ist deine heilige Pflicht.«
Der Junge nickte.
»Vergiss auch nicht, für deine Schwestern zu sorgen, hörst du.« »Ich verspreche, sie immer zu beschützen.«
In der Nähe des Ortes Malagön betrieb Don Marcelo einen einfachen Gasthof. Dieser lag am Großen See, am Weg von Toledo nach Al-Andalus. Für den Hof zahlte er - wenn auch nicht immer regelmäßig - Lehenzins an die Mönche von Calatrava. Meistens stand er in der Schuld der frommen Ritter.
Bevor sich Don Marcelo diesem Gewerbe verschrieb, hatte er Schafe gehütet, sich als Schmied, Tagelöhner und Bauer verdingt. Obwohl er immer hart gearbeitet hatte, blieb das Brot knapp. Viel Schweiß und kein Preis, lautete Don Marcelos traurige Bilanz.
Schon drei Jahre waren seit dem Tod seiner Frau vergangen. Er selbst war seit zweien ans Bett gefesselt. Ein tückisches Fieber hatte ihn niedergestreckt und gelähmt.
Den Gasthof betrieben Don Marcelos vier Kinder. Belinda, Blanca und Estela teilten sich die Arbeit im Haus, in der Küche und Gaststube. Diego sah nach dem Stall, der alten Mühle und der Schmiede. Vom Vater hatte er nicht nur das Handwerk des Schmieds gelernt, sondern auch den Umgang mit Pferden. Der Junge war regelrecht vernarrt in die Tiere und wusste jede ihrer Regungen zu deuten. Es hieß, er könne sogar deren Gedanken lesen.
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